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  Artikel im Westfalenblatt

1. Rundmail vom 28.08.2005

Hallo aus Costa Rica!!! Nach ca. einem Monat habe ich mir ueberlegt (kacke hier gibt es kein ue) eine kleine Rundmail zu verschicken. Da es sehr sehr viel zu erzaehlen gibt schreibe ich einfach ungeordnet und ohne ein bestimmtes system zu bestimmten stichworten ausfuehrliche texte. Ich werde ab jetzt ca. jeden monat eine mail verschicken.

1.Wetter:

Temperatur:immer warm (ich habe bis jetzt kein einziges Mal etwas dickere Anziehsachen gebraucht), wenn die Sonne scheint heiss, aber nie so heiss wie in Spanien oder Italien, auch nie so heiss wie bei uns im Hochsommer. Das heisst man (das heisst ich)schwitzt immer aber ist nie annaehernd vorm Sonnenkollaps (ich hatte auch keinen Sonnenbarnd, obwohl ich keine Sonnencreme benutzte und benutzt habe). Wetter: Morgens ist es sonnig aber irgendwann zur Mittagszeit faengt es dann es sich zur bewoelken, immer weiter, bis es irgendwann nachmittags oder abends anfeangt zu regnen. mit regen meine ich tropischen regen, also nicht den popeligen herbstregen in deutschland. Es regnet wie aus kuebeln und das 2,3 Stunden, danach regnet es nur(!!)wie aus der duschbrause. Es regnet aber jeden Tag. Die letzten Tage ist die morgendliche Sonnephase weggefallen und die regenphase hat sich nach morgen verschoben und die regendauer ist laenger geworden. Nur zur anmerkung zur zeit ist winter, dass heisst es regenet viel und ist kalt (sagen die Ticos=Costaricaner).

2.Sprache:

Das Spanisch das hier gesprochen wird ist sehr gut zu verstehen und es gibt diese lissbellaute (wie in Spanien) nicht. Natuerlich gibt es hier einige besonderheiten, wie bei allen dialekten. Genauer auf diese einzugehen waere eigentlich sinnlos, weil fast niemand den unterschied zum "normalspanisch" erkennen koennte. ich sage nur das es hier viele "dichos", dass heisst woerter die in keinem lexikon oder woerterbuch stehen gebraucht werden. Zur "wie laeuft es mit dem sprechen" sache. ich kann schon fast immer verstehen was die leute von mir wollen, ich kann nur noch nicht viel selber reden, geschweige denn schreiben.

3.Landschaft:

Fantastisch. Ich wohne hier mitten in den Bergen. Wenn ich aus meinen fenster schaue habe ich zuerst ein tal vor mir (ich wohne selber auf einer kleinen bergkette) und dann eine grosse gebiergskette. hier ist alles gruen, wobei die waelder hier stark entwaldet sind und heute weiden kuehe oder pferde auf den wiesen.

4.Mein Ort:

mein ort ist fuer deutsche, grossstaedtische verhaeltnisse ein verschlafenes kaff. Der Ort heisst San Antonio und wird durch eine grosse fernstrasse in zwei teile (arriba und abacho) getleit. von der flaeche her ist san antonio sehr gross aber von der einwohnerzahl hernicht, was daran liegt das es hier ausschlieslich einstoeckige einfamilien haeuser samt relativ grossen gaerten gibt.

3.Santiago:

die naechst groessere "stadt" heisst santiago oder im volksmund puriscal (wie der kanton hier heisst). der ort ist vielleicht halb so gross wie ummeln, weil dort aber alles nach dem "schachfeldprinzip" (wie in amerikanischen grissstaedten)aufgebaut ist steht dort haus an haus was den ort von der einwohnerzahl her recht gross erscheinen laesst. da santiago das zentrum dieses kanton (der 30.000 einwohner hat) tummel sich sehr viele leute von ausserhalb hier. und hier kann man auch einen grund dafuer sehen das die arbeitslosigkeit in costa rica nur knapp hoeher ist als in deutschland: in fast jedem haus ist ein laden, so gross wie die kueche eines mcdonalds restaurants, in dem sich 2,3 oder 4 verkaeufer tummeln!!! der groesste brueller ist: in einem kleinen cd laden (mit einem angebot von ca. 125 cds), im kleinen santiago, im kleinen costa rica (aus deutscher sicht) am anderen ende der welt gibt es eine alte cd von moderntalking zu kaufen!!! fuer umgerechnet 15 euros!!! wie krank!!!

4.Geld:

die waehrung hier heisst colon. 1 euro sind ca. 600 colones. das preisniveau hier ist generel um einiges niedrieger als in duetschland, aber zum beispiel elektronische waren ereichen deutsches niveau. nur so in santiago gibt es 3 verschiedene banken.

5.Leute:

die leute hier sind sehr freundlich, offen, hilfsbereit, gutmuetig und spendabel. ich habe bis jetzt nur einmal leute getroffen die mich nicht freundlich begruesst sonder mich mit hitlergruss begruesst und angepoebelt haben. zur hitler- und "alle deutsche sind nazis"sache. Ich wurde ausser das eine mal nie als nazi begruesst oder angepoebelt. dafuer haben mich fast alle irgendwann gefragt ob hitler aus meiner sicht gut oder schlecht ist. haette ich gesagt gut wuerde ich wahrscheinlich heute von allen mit heil hitler begruest. die leute hier sind ausgesprochen tolerant gegenueber anderen religionen (ausser dem islam wie ich bemerkt habe) und anderen nationen (ausser nicaraguern) und rassen. eine nebensaechliche sache. ich bin hier eine art titan. ich habe bis jetzt nur einen getroffren der groesser ist als ich und nur ein paar die in etwa gleich gross sind. die maedchen und frauen hier sind sehr sehr klein.

6.Schule:

Ich muss um 5.50 aufstehen (!!!), weil der bus zur schule um 6.40 faehrt und die schule um 7.10 anfaengt!!! der unterricht ist total locker (mit ich kann im Unterricht aufstehen zur tuer gehen und mit kumpels reden) und langweilig (die lehrer reden einfach die ganze zeit und man kann aussuchen ob man mitschreibt, schlaeft oder mit kumpanen redet). die stunden dauern 40 min. und oft hat man blockunterricht, das haisst 2 stunden vom selben fach hintereinander. hier muessen die schueler von raum zu raum und zu den lehrern gehen und nicht umgkehrt wie bei uns. ausserdem besteht uniform pflicht, dass heisst dunkelblaue hose, hellblaues hemd und schwarze schuhe. wer sich nicht daran haellt wird mit punkabzuegen auf dem zeugnis bestraft. es gibt sogar einen uniformkontroll dienst. die schule geht bis 16.20 mit einer stunde pause von 12.30 bis 13.30. das wichtigste sind die examen, die man in jedem fach ausser kunst und musik und religion(aber nur nicht-katholiken) schreibt. und zwar alle in 2 wochen und tag fuer tag einen.

7.Essem:

des essen ist ausgesprochen lecker und ziemlich anders als das deutsche. hauptnahrungsmittel sind reis und bohnen. fruehstueck: meist gallo pinto: gemisch aus reis, bohnen und zwiebeln mit ruehr-oderspiegelei und manchmal schinken und tortillas. mittag:reis+bohnen+irgendein fleisch+irgendetwas gmuesiges oder obstiges abend: brot oder reste vom tag oder kornflakes oder oder oder.... Ausserdem werden hier sehr viele fruechte gegessen, auch viele die bei uns wahrscheinlich niemand kennt.

Das wars fuers erste. Schoene gruesse. bis in einem monat. herzlichen gluekwunsch nachtraeglich fuer alle, die geburtstag hatten, an mama herzlichen gluekwunsch zum muttertag nachtraeglich. tschuess.

P.S.: vielen dank an alle goenner und unterstuetzer, besonders an mama und papa die mir das hier moeglich gemacht haben. (die postkarte aus kuehlungsborn ist heute morgen gekommen)

bitte auch an nicht-empfaenger weiterleiten